"Die Königskinder"

An Pfarrer Lothar König scheiden sich in Jena die Geister. Viele hätten ihn lieber heute als morgen los, zusammen mit den zerlumpten Straßenkindern, um die er sich seit Jahren kümmert.
So richtig passen weder der Geistliche noch die obdachlosen Jugendlichen in das Bild der wirtschaftlich ehrgeizigen Stadt in Thüringen. Doch die Landeskirche steht - wenn auch mit kritischem Blick - hinter dem Pfarrer der Jungen Gemeinde Stadtmitte, der täglich gegen Vorurteile ankämpft und mit provozierenden Aktionen gesellschaftliche Probleme anspricht.

Remo ist gerade 18 geworden und lebt seit einigen Jahren auf der Straße. Seine Mutter gab ihn ins Heim als er elf war, weil sie mit ihm nicht mehr zurecht kam. Von da an kam Remo mit der Welt nicht mehr zurecht. Nachts schläft er in Abrißhäusern in Jena oder kommt auch schon mal bei einem Freund unter. Am Tag trifft man den schlacksigen Jungen mit den gefärbten Haaren in der Jungen Gemeinde Stadtmitte in Jena. So wie viele andere Straßenkinder, die in Lothar König, dem Stadtjugendpfarrer, so etwas wie einen Ersatz-Vater gefunden haben. „ Der Lothar, das ist ein gelassener Mensch, der nicht gleich auf die Pauke haut: ändere das oder das. Das muß man langsam angehen, andere kapieren das nicht. Er hat mich in meinem Kopf aufgebaut. Jeder braucht jemanden, mit dem er sich unterhalten kann. Es ist doch Scheiße, wenn man sich vereinsamt fühlt, einsam ist und sich nicht unterhalten kann“, sagt Remo und ist mitten im Gespräch mit Pfarrer König über Jesus und Bilder von Gott und imaginären Vätern. Kurz darauf schlüpft er in Rosa Dessous für eine Probe der „Rocky-Horror-Picture Show“, die er demnächste mit Mitgliedern der Jungen Gemeinde aufführen wird.
An Pfarrer Lothar König scheiden sich in Jena die Geister. Viele hätten ihn lieber heute als morgen los, zusammen mit den zerlumpten Straßenkindern, um die er sich seit Jahren kümmert.
So richtig passen weder der Geistliche noch die obdachlosen Jugendlichen in das Bild der wirtschaftlich ehrgeizigen Stadt in Thüringen. Doch die Landeskirche steht - wenn auch mit kritischem Blick - hinter dem Pfarrer der Jungen Gemeinde Stadtmitte, der täglich gegen Vorurteile ankämpft und mit provozierenden Aktionen gesellschaftliche Probleme anspricht.
Die Junge Gemeinde Jena gelangte schon zu DDR-Zeiten zu Berühmtheit, weil hier deutlicher politisiert wurde, weil Punks und Einreisewillige ein- und ausgingen und Schriftssteller wie Jürgen Fuchs oder Lutz Rathenow zu Gast waren. Dass die Junge Gemeinde auch heute ein Ort für Unangepasste, Freaks und und Ausgestossene ist und sich entsprechend unbeliebt macht, scheint Pfarrer König ganz recht zu sein. In die Schlagzeilen gerät seine Arbeit immer wieder: Da geht es um tätliche Auseinandersetzungen mit Rechten, um Ruhestörung und Drogen. Was selten nach außen dringt: das Hinterhaus in der Johannesstrasse bietet Jugendlichen, die mit sich und ihrem Leben nicht klar kommen, die nicht mehr nach Hause wollen oder können, eine Zuflucht. Für viele die einzige, in der sie es aushalten und in der man sie erträgt. Über hundert Kinder haben von dort wieder den Weg zurück zu ihren Familien gefunden.
Der Film begleitet Pfarrer König und seine Schützlinge auf dem Weg durch ihren schwierigen Alltag. Die Eltern der jungen Aussteiger berichten von ihren Ängsten und Sorgen sowie ihren Erfahrungen mit den Ämtern. Die Kamera war dabei, als Mütter und Kinder in der Jungen Gemeinde nach langer Zeit wieder Kontakt zueinander aufnahmen. Zu Wort kommen aber auch die Kritiker des Pfarrers: ein CDU-Stadtrat und ein Lehrer. Zu den Sympathisanten zählt hingegen der Polizeichef der Stadt.
Ein Film über Gleichgültigkeit, menschliche Wärme und Kraft, die aus Glauben kommt

Wir waren lange ohne Kamera in Jena, um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen. Der Dreh war emotional hart. Wir sind nachts mit den Kids durch die Straßen gezogen, haben Schlafplätze gesucht. Wir konnten anfangs gar nicht glauben, dass so viele junge Menschen auf der Straße leben, auf Bahnhöfen, in Abrisshäusern übernachten. Schlimmer war aber die Einstellung einiger Politiker, die dem Pfarrer, der sich um die Straßenkinder kümmerte, das Leben schwer machten. Erschreckend auch die Reaktionen einiger Jenaer Bürger, die uns beim Drehen zuriefen- „die sollte man doch alle vergasen...“